Wanderungen um Bergen – Teil 1

Bevor ich meine große fünftägige Tour durch die Hardangervidda gemacht habe bin ich in der Umgebung von Bergen immer wieder für Nachmittags-, Tages- und Wochenendtouren unterwegs gewesen. Dabei sind natürlich auch einige Bilder entstanden. Das obige Bild stammt von einer Wanderung, die ich mit meinem französischen Mitbewohner von Voss aus gemacht habe. Wir starteten an einem Samstagmorgen sehr früh in Bergen mit dem Zug und fuhren eine gute halbe Stunde auf der Bahnstrecke Richtung Oslo vorbei an herrlichen Fjorden, immer wieder unterbrochen von Tunnels. Voss ist eine Kleinstadt, etwa 60 km von Bergen entfernt, die vor allem für sein Extremsportangebot und die hübschen Wasserflaschen bekannt ist, die hier abgefüllt werden. Wir stiegen von ca. Meeresniveau auf einen 1300 m hohen Gipfel hinauf und wieder hinunter. Das Wetter war wechselhaft, aber durchaus nicht schlecht und wir konnten einige Regenbögen sehen.

Auf selbiger Wanderung kamen wir auch, je höher wir stiegen, an immer größeren Schneefeldern mit den dazugehörigen Schmelzwasserseen vorbei. Da wir wirklich fast auf Meeresniveau losgegangen waren, erlebten wir auf unserem Aufstieg sehr viele verschiedene Vegetationen. Von Wald über vereinzelte Büsche, moosbewachsene Ebenen bis hin zur reinen Steinlandschaft kurz unter dem Gipfel.

img_1759-2Dieses Bild habe ich auf meiner ersten mehrtägigen Tour in Bergsdalen gemacht, einer recht großen Bergregion etwa auf halber Strecke zwischen Bergen und Voss. Ich hatte mir schon ein paar Tage vorher eine Route zurechtgelegt. In der Region gibt es, wie in sehr vielen Gebieten in Norwegen einige Wanderhütten, in denen man relativ günstig die Nacht verbringen kann. Schlafsack, genug zu essen, eine Karte des Gebiets sowie einen Kompass also in den Rucksack und los. Einzig das Wetter spielte nicht so recht mit. Dabei war tatsächlich der Regen von oben nicht das Problem, sondern die Tropfen, die an den Grashalmen hingen und die ich mit jedem Schritt mit meinen Schuhen mitnahm. So waren nach den anstrengenden ersten zwei Stunden (in denen es vom Bahnhof quasi nur bergauf ging) meine Wanderstiefel bereits komplett durchnässt. Ich überlegte tatsächlich kurz, ob ich die Tour nicht lieber abbrechen sollte, beschloss dann aber, mich von ein paar nassen Füßen nicht um dieses Erlebnis bringen lassen wollte, wrang meine Socken aus und stiefelte los.

img_1770-3Hätte ich vorher gewusst, was nun noch folgen sollte, hätte ich wahrscheinlich doch abgebrochen. Denn was auf der Karte als eine Wanderung von sieben bis acht Stunden gekennzeichnet war, entpuppte sich vor Ort für mich als eine elfstündige Wanderung. Das lag hauptsächlich daran, dass es auf dem blanken Fels teilweise sehr schwierig war, den richtigen Weg zu finden. Die wenigen Steinhaufen, die normalerweise sehr gut sichtbar als Wegweiser aufgestellt sind, waren teilweise umgefallen, die rote Farbe daran verwittert und daher von fast dem selben Farbton wie einige Flechten auf den Steinen. Da zu dieser Jahreszeit in Norwegen die Tage noch sehr lang sind, erreichte ich dann schließlich gegen 19 Uhr noch deutlich vor der Dämmerung die Hütte Høgabu (siehe oben). Es ist tatsächlich ein sehr schöner Moment, wenn man nach einer so langen Tour schließlich um eine Ecke biegt und in der Ferne das Ziel erkennen kann.

img_1781-3Als ich die Tür zur Hütte öffnete, roch es drinnen bereits nach einem Kaminfeuer und es war angenehm warm. Ein Norwegisches Ehepaar war bereits dort und hatte ein ordentliches Feuer im Ofen gemacht. Diese Hütte, erzählten sie mir, sei die älteste der Region Bergen und tatsächlich war diese erste auch eine der gemütlichsten Hütten, in denen ich in diesem Sommer war. Es gibt in diesen Hütten weder Strom, noch fließendes Wasser, beides stellt aber kein Problem dar. Wasser wird einfach aus dem nächsten Bach geholt und Kerzen spenden etwas Licht. Ich hätte die Hütte in diesem Moment gegen keine Präsidentensuite der Welt eingetauscht! Ich hängte meine nasse Kleidung und Schuhe über den Ofen und konnte am nächsten Morgen tatsächlich in trockene Schuhe schlüpfen (was ein wirklich schönes Gefühl sein kann). Ich hatte mir für den Rückweg eigentlich auch eine schöne Route auf der Karte zurechtgelegt, entschied mich dann aber am Abend spontan für eine Route, die nach einiger Zeit auf eine Straße traf, da ich nicht unbedingt noch einmal eine solche Ausdehnung der Tour wie an diesem Tag wollte.

img_1787-2Doch auch die Strecke an der Straße konnte noch mit einigen Ausblicken aufwarten, wenngleich ich diese Strecke ungern mit dem Auto gefahren wäre. Insgesamt also trotz des nicht optimalen Wetters eine großartige Wanderung. Wenn man wirklich den ganzen Tag draußen verbringt, ist man schon für jede Regenpause dankbar und ändert schnell seine Definition von gutem Wetter, so schlecht war das Wetter also gar nicht.

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